Fahrradtour  Werra - Eisenach - Weimar - Nürnberg

2009

 


Hallo liebe Radlerfreunde, warum denn in die Ferne schweifen?  Nachdem die Wiedervereinigung nun auch schon eine Weile zurückliegt und wie ich feststellen konnte, die Städte der nicht mehr so neuen Bundesländer wunderschön saniert sind, war es Zeit für eine Reise nach Thüringen.
Die diesjährige Sommertour dauerte 14. Tage und fand Ende August/Anfang September statt. Die Gesamtstrecke belief sich auf rund 690 km.
Das Wetter war praktisch durchgehend schön und sonnig, sodass ich das nicht mehr weiter erwähne. Da es sich weitgehend um eine Flußtälertour handelte, habe ich in diesem Bericht in der Regel keine Höhenmeter hinter den Ortsnamen angefügt.

2017 habe ich die Tour mit Komoot, einem Navigationssystem für Wanderer und Fahrradfahrer, welches ich seit 2015 einsetze, nachgeplant und so kann man sich die erste Teilstrecke Baunatal-Weimar sowie die zweite Teilstrecke Gerstungen-Nürnberg durch Anklicken ansehen. Die gefahrenen Kilometer weichen von den Plankilometern ab, da ich die Strecke nachträglich erstellt habe. Auf der Komootkarte wird die Werraquelle bei Siegmundsburg übrigens fälschlicher Weise als Saarquelle bezeichnet.

Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach Meine Radtouren anklicken
 

1. Tag: Baunatal - Hannoversch Münden - Allensdorf  93 km  

Baunatal muss man nicht kennen, es sei denn man arbeitet bei VW, jedenfalls liegt es in der Nähe von Kassel und es war der Startpunkt meiner Reise, nachdem ich dort  Verwandte besucht hatte. Von dort ging es nach Überquerung der Bundesautobahn 7 nach Guntershausen hinunter zur Fulda.

Nun folgt man dem Radweg entlang der Fulda nach Kassel und weiter nach Hannoversch Münden, dem Zusammenfluss von Fulda und Werra, wo bekanntlich beide Flüsse ihren Namen lassen müssen und von da ab Weser heißen. Die Strecke ist schon in diesem Abschnitt landschaftlich sehr reizvoll, da die Fulda viele Biegungen macht und sich durch leicht gebirgige Landschaft schneidet. Ein Abstecher nach Kassel war entbehrlich, da ich die Stadt von früheren Besuche kenne und die Stadt, der Royal Airforce sei Dank, städtebaulich nicht allzuviel zu bieten hat. Hannoversch Münden hingegen ist einer der ersten Höhepunkte auf der Tour. Fachwerk, Fachwerk, Fachwerk....
Der berühmte "Doktor" Eisenbarth, starb in Hannoversch Münden.

Weiter ging es nun werraaufwärts bis Bad Soden-Allendorf.
                                                                                                                      
 
            
              Weserstein Hann. Münden
                                                                                                                                                                  Hannoversch Münden


Interessant an diesem Teil des Werratals ist die Tatsache, dass man ständig die Ländergrenzen Hessen/Thüringen und damit auch die ehemalige Grenze zur DDR mit ihren praktisch nicht mehr sichtbaren Grenzsicherungsanlagen, Todesstreifen usw. quert. Hin und wieder sieht man am Boden noch Reste des ehemaligen Kolonnenwegs oder ein Waldgebiet sieht verdächtigt uniform aus, d.h. es handelt sich um das bepflanzte ehemalige Grenzgebiet.

                           
               Hann. Münden Apotheke                                       ehem. Kolonnenstreifen DDR-Grenze                               Sockel Wachtturm DDR-Grenze

 

Am Abend kam ich dann in einer schönen Fachwerkstadt, in Allendorf an, suchte mir ein schönes Hotel und beendete meinen Reisetag mit einem leckeren Abendessen unter freiem Himmel am Ratskeller.


2. Tag: Allendorf-Eisenach 100 km

Das Werratal schlängelt  ständig idyllisch hin und her. Hin und wieder sieht man eine Burg oder durchfährt schöne Städte wie Eschwege oder Treffurt mit Burg.

In Hörschel, der Einmündung der Hörsel in die Werra,  kam mir dann ziemlich spontan die Idee, dass ich eigentlich viel zu schnell am Ziel, der Werraquelle oben im Thüringer Wald sein würde. Was lag also näher, als Richtung Eisenach abzubiegen und dann auf dem Radweg der Thüringer Städtekette bis Weimar zu radeln?
Gesagt getan und so kam ich am frühen Abend in Eisenach an. Die Stadt hatte ich mir mal kurz nach der Wiedervereinigung angesehen. Damals konnte man ver-fallene Häuser sehen, die notdürftig mit Holzbalken abgestützt waren. Außerdem überall das typische "DDR-Grau". Nunmehr war die Stadt weitgehend schmuck restauriert, wobei in einer Parallelstraße zur Hauptfußgängerzone schon wieder ein ganz anderes Bild zu sehen war. Abends ging es übrigens ins Kino.
"Inglorius Bestards" mit dem absolut irre guten Christoph Waltz als SS-Offizier
          Werratal mit Burg Fürstenstein                       Landau.                             

                                                                   
                                                                                                                                                                      
                                                                                                                                                                                                                                          Allendorf Rathaus

 

4. Tag: Eisenach-Gotha-Erfurt 75 km

Am nächsten Morgen kraxelte ich mit dem Fahrrad hoch zur Wartburg. Eigentlich wollte ich mit dem Bus fahren, hatte diesen aber irgendwie verpasst. Nett war, dass mir dann ein japanische Reisegruppe vor dem Haupttor zu meinem Bergaufstieg applaudierte.
Die Wartburg  ist in Thüringen ebenso Pflichtprogramm wie Neu- schwanstein in Bayern, wobei die Wartburg historisch gesehen bedeutend interessanter ist, sprich Sängerwettstreit (gab´s gar nicht!), Martin Luther, Bibelübersetzung und so.
Nach der Besichtigung der Burg ging es dann flott den Burgberg runter, zurück zum Hotel, Gepäck aufgeladen und los zur nächsten Etappe, nämlich über Gotha nach Erfurt.

Auch Gotha ist inzwischen schön renoviert und sehenswert.
Ich machte dort allerdings nur eine Kaffeepause, besichtigte das Schloss Friedenstein von außen und radelte weiter nach Erfurt.

Die Hauptstadt Thüringens ist einfach nur beeindruckend. Dort brummt der Bär, keine Spur mehr von DDR-Tristesse und Touristen en masse.

                 
                     Eisenach Rathaus                                                                                                                                                                                  Wartburg

Weimar ist, wie sich später herausstellte, auch sehr schön, aber Erfurt ist vielleicht die Stadt in den "neuen" Bundeländern, in der ich gerne leben würde. Die Richter am Bundesarbeitsgericht, welches im Zuge der Wiedervereinigung von Kassel nach Erfurt wanderte, sind um ihren Dienstsitz echt zu beneiden. Ich quartierte mich denn auch für zwei Nächte ein und besichtigte die Stadt ausgiebig. Äußerst sehenswert ist die neue Mühle mitten in der Stadt, die noch voll funktionsfähig ist. Nicht zu vergessen auch, daß man in den Lokalen der Stadt ausgezeichnet essen kann. Das war auch so eine Fahrradtour, von der ich als "Souvenir" ein bis zwei Kilo zusätzlich mit nach Hause brachte.

                           
                Erfurt Dom und Severikirche                                                        Erfurt Festung Petersberg                                                       Erfurt neue Mühle

 

6. Tag: Erfurt-Weimar 28 km

Die Etappe nach Weimar war relativ kurz und so konnte ich mir schon am frühen Nachmittag in Weimar ein Hotel suchen. Der Radweg führte teilweise aber auch über so üble Feldwege, dass mir eine Speiche am Hinterrad brach. Im Hotel waren dann zwei Zimmer zu buchen, da mein Freund Günther am Abend mit dem Zug nachkam und mich ein Stück auf der Tour begleitete.
Nach dem Einchecken im Hotel war dann das "Weimarer Kontrastpro-gramm" angesagt. Weimar ist ja nicht nur die Stadt Goethes und Schillers, sondern eben auch Buchenwald. Interessant übrigens, dass die damaligen Kommunalpolitiker Wert darauf legten, dass das Konzentrationslager auf dem Ettersberg nicht den Namen Weimars oder einer anderen in der Nähe gelegenen, örtlichen Gemeinde bekam. Soviel zum Thema, dass man von nichts wusste! Um die Stromlieferverträge für das Lager gab es dann aber wieder einen regen Bieterwettbewerb. All dies und viel mehr kann man erfahren, wenn man das Museum in der ehemaligen Effektenkammer des                
                                                                                                                              KZ Buchenwald  Haupteingang
                                         KZ Buchenwald Zaun

Lagers besichtigt. Interessant auch, dass ich im Bus zum Lager einen ehemaligen Zivi traf, der in einem kirchlichen Altersheim einen alten Herrn betreut hatte, der einer der ehemaligen Schlächter des Lagers war und bis zum Tode überzeugt war. Kurz und gut: Man muss als Deutscher sicher nicht ständig mit gesenktem Kopf und Asche auf dem Haupt herumlaufen, aber so eine Geschichtsstunde in Buchenwald sollte man sich als politisch interessierter Mensch schon antun.
Allein die Atmosphäre im Zellenblock des Eingangsgebäudes ist schon sehr beeindruckend bzw. beklemmend. Man friert förmlich. Immerhin gibt es nach dem Ende der DDR auch ein Museum zum Verwendungszweck des Lagers unter sowjetischer Oberhoheit, welches früher natürlich nicht zum offiziellen Geschichtsbild der DDR passte. So, das war nun alles etwas "untouristisch", ließ sich an dieser Stelle aber nicht vermeiden.

Weimar selbst ist ebenfalls voller Sehenswürdigkeiten. Goethe- und Schillerhaus, Schloss, der Park usw. usw. Nachfolgend nur einige von vielen Bildern:

                           
                  Weimar Nationaltheater                                                                   Weimar Rathaus                                                                            Weimar Park

Nicht zu vergessen, dass die Weimarer Verfassung auch deshalb so heißt, weil die Nationalversammlung 1919 aufgrund bürgerkriegsähnlicher Unruhen in Berlin damals nach Weimar flüchten musste und im Nationaltheater tagte. Nach meiner Rückkehr aus Buchenwald holte ich dann meinen Freund Günther am Bahnhof ab und nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel ging es dann zu einem gemütlichen Bierchen in die Innenstadt.


7. Tag: Weimar-Eisenach-Gerstungen (Zug) - Bad Salzungen 47 km

A
m nächsten Morgen erfolgte die Park- und Stadtbesichtigung, bevor wir dann gegen Mittag mit dem Zug zurück nach Eisenach fuhren, da ich keine Lust hatte, die Strecke Eisenach - Weimar bzw. umgekehrt zweimal zu radeln. In Eisenach selbst legten wir eine Zwangspause ein, da mir ein örtlicher Fahrradhändler meine gebrochene Speiche reparieren sollte. Nach der Kaffeepause mussten wir dann feststellen, daß mit der Reparatur trotz entsprechender Zusage noch nicht einmal begonnen worden war. Hier herrschte wohl noch etwas DDR-Restmentalität. Also wieder zurück in die Innenstadt und Kaffee getrunken.
Das Fahrrad erhielten wir dann erst am späten Nachmittag, sodass wir beschlossen, nochmal einen "Zugsprung" bis Gerstungen an der Werra zumachen. Wir fuhren nun eine Weile durch das Land der ehemaligen Kalibergwerke.
Zu DDR-Zeiten waren die Werra und infolgedessen auch die Weser die reinsten Salzflüsse, da es die DDR nicht so mit dem Umweltschutz hatte und die Brühe ja ins "kapitalistische Ausland" floss. Nach der Wende erledigte sich das Problem dadurch, dass die Bergwerke als überflüssige Kapazitäten ziemlich schnell dichtgemacht wurden. Die Abraumhalden leuchten heute noch in der Landschaft und gefährden weiter das Grundwasser.

In Bad Salzungen angekommen suchten und fanden wir eine Bleibe, wobei von Bad im klassischen Sinn nicht viel zu sehen war. Man merkte hier doch, das die DDR-Badeorte nicht mit bundesrepublikanischen Badeorten zu vergleichen waren und angesichts allgemein zurückgehender Kuren wohl auch kaum eine Chance haben, hier noch viel aufzuholen.
Das Örtchen wirkte etwas trist bzw. gemütlich verschlafen. 


8. Tag: Bad Salzungen - Wasungen (Zug) - Meiningen 30 km

Am nächsten Tag war nach ca. 30 km Schluss mit Radeln. Auf dieser Tour hatte ich die A-Karte gezogen. Erst die gebrochene Speiche bei Weimar und dann bei Wasungen eine abgebrochene Tretkurbel. Da es in Wasungen keine Reparaturmöglichkeit gab, aber einen Bahnhof, stiegen wir in den Zug und fuhren bis Meiningen. Immerhin gab es einen Bahnhof. Generell läßt sich sagen, dass es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR noch relativ viele Bahnstrecken gibt, die in der Alt-BRD schon längst stillgelegt worden wären.

Für Radreisende natürlich toll, wie ich vier Jahre später anläßlich eines Urlaubs im Thüringer Wald feststellen konnte.
In Meiningen legten wir im dortigen Freibad, bestens mit dem Soli modernisiert, eine gemütliche Badepause ein und ließen mein Rad reparieren, wobei sich dieser Fahrradhändler im Gegensatz zu seinem Kollegen in Eisenach durch einen freundlichen und prompten Service auszeichnete. Sehr schön war auch das Lokal, in dem wir zu Abend aßen. Es hatte eine nette und individuelle Atmosphäre. Die jungen Betreiber waren sehr engagiert. Meiningen gehört im Übrigen wieder zu den nach der Wende schön restaurierten Städten.   

 

 



 

                       Meiningen Schloß

 

9. Tag: Meiningen - Siegmundsburg 69 km


Von Meiningen (287) ging es entlang der Werra über Hildburghausen zunächst weiter nur unmerklich nach oben, etwa bis Eisfeld (440). Die Stadt liegt unmittelbar am Fuß des Thüringer Waldes und nun ging der Werraradweg zur Quelle (800) hoch in die Nähe von Siegmundsburg am Rennsteig doch kräftig nach oben. Zu erwähnen ist, das die Werra offiziell zwei Quellen hat, nämlich eine bei Siegmundsburg und die andere bei Fehrenbach am Eselsberg, etwa sieben Kilometer von der anderen Quelle entfernt. An der Quelle durfte das offizielle "Siegerfoto" natürlich nicht fehlen.
In Siegmundsburg fanden wir dann ein gemütliches Landgasthaus, welches sich u. a. durch eine große Freiluftmodelleisenbahnanlage auszeichnete, ein Hobby des Besitzers.


                   Hildburghausen Dino                                                                                                                                                                           Werraquelle

Noch schöner aber war, dass die Wirtsfamilie einen eigentlich privaten Grillabend hatte, uns hierzu einlud und dafür einen wirklich nur symbolischen Unkostenbeitrag verlangte. Wer weiß, wie lecker echte Thüringer Bratwürste schmecken, wird verstehen, daß ich an diesem Abend weitere "Souvenirpfunde" sammelte.
 

10. Tag: Siegmundsburg - Kronach 63 km

Am nächsten folgte  zunächst die Belohnung für die Kraxelei des Vortags, nämlich die rasante Talfahrt durch den Thüringer Wald hinunter Richtung Sonneberg. Hier hieß es Abschied nehmen von meinem Mitradler Günther, denn sein Kurzurlaub endete und er musste wieder nach Hause. Die Urschwaben sind halt ein altes Schaffervolk!

Sonneberg war einmal das Zentrum der DDR-Spielzeugindustrie und lag bzw. liegt direkt an der Grenze zu Bayern, also früher der Bundesrepublik. Wie allen Grenzstädten egal ob West oder Ost, ist ihm durch den Eisernen Vorhang ziemlich die Luft abgeschnürt worden und im Fall Sonnebergs hat die Öffnung der Grenze nicht alllzuviel geholfen. Spielzeugindustrie gibt es fast keine mehr und die Stadt bot ein städtebauliches Kontrastprogramm, nämlich eine sehr moderne, fast schon unpassende Mitte und etwas entfernt vom Zentrum noch alte DDR-Tristesse. Beim Überqueren der nunmehr nur noch Bundesländergrenze passiert man eine Stelle, an der die DDR nach der Flucht eines kompletten Dorfs bzw. deren Bewohner später das ganze Dorf plattgemacht hat.

Ich habe als kleiner Junge in Lichtenfels in Oberfranken gelebt, keine 25 km von der Zonengrenze, wie das damals hieß, entfernt. Für mich war das, insbesondere auch während meines Urlaubs im Thüringer Wald vier Jahre später, immer noch ein absolut irres Gefühl, ständig kreuz und quer über die ehemals hermetische dichte und für "Republikflüchtlinge" oft tödliche Grenze zu radeln. Wenn man die heutigen Probleme so sieht, kann man sich fast gar nicht mehr vorstellen, dass es auch mal Jahre gab, in denen es Freude machte, Nachrichten zu sehen.

Nach einigen weiteren, landschaftlich sehr schönen Kilometern durch die westlichen Ausläufer des Thüringer Walds bzw. den sich unmittelbar anschließenden Frankenwald, kam ich schlußendlich in Kronach an, einer sehr schönen fränkischen Stadt mit mittelalterlichem Stadtkern und einer imposanten Burg, der Festung Rosenberg, in der sich auch die Jugend- herberge befindet.
Da am Abend bei schönstem Sommerwetter auch noch eine Aufführung auf der Freilichtbühne der Burg stattfand, war das wirklich wieder ein gelungener Radler- und Ferientag.
Die Burg habe ich natürlich auch noch besichtigt. Kann man nur empfehlen! Ist für jeden Burgenliebhaber ein absolutes Muß! Sie sollte übrigens sogar mal abgerissen (!!!!) werden. Dem kam die Stadt Kronach zuvor, indem Sie das Gemäuer kurzerhand kaufte.

Ach ja, und das fränkische Abendessen hat auch hervorragend gemundet!


                     
                           Festung Rosenberg


11. Tag: Kronach - Bayreuth 74 km

Lichtenfels liegt nicht weit von Kronach entfernt. In der dortigen Gegend überfallen mich immer extreme Heimatgefühle, seltsamer Weise erst, seit ich mich im fortgeschritteneren Alter befinde. In Kronach waren wir früher immer auf dem dortigen Volksfest, "Freischießen" genannt. Dort gab es immer die größeren und schöneren Fahrgeschäfte als auf dem Lichtenfelser Schützenfest. Jedenfalls ging es am nächsten Tag quer durch die oberfränkische Landschaft über Kirchleus und Lösau zunächst nach Kulmbach, die Stadt des Bieres und mit der imposanten Plassenburg und weiter den weißen Main entlang über Ködnitz und Himmelkron bis Bad Berneck im Fichtelgebirge. Hier hatte ich auch mal gewohnt und ging in Bayreuth auf´s Gymnasium. Die Wagnerstadt war denn auch das Tagesziel diese Teils meiner Nostalgiefahrradtour.
Nachdem ich mir ein gemütliches Hotel am Rand der Innenstadt gesucht hatte, war abends der obligatorische Stadt- und Kneipenbummel angesagt.


12. Tag: Bayreuth

Am nächsten Morgen gab´s erst mal ein Wiedersehen mit meinem inzwischen auch schon etwas betagteren Doktorvater und es wurde über alte Augsburger und jüngere Bayreuther Zeiten geplauscht. Eine Besuch meines alten Gymnasiums durfte auch nicht fehlen. Beeindruckend war, das selbst Laubbäume in immerhin 43 Jahren doch ganz enorm wachsen können. Jedenfalls hatte ich den Blick auf das Hauptgebäude der Schule deutlich freier in Erinnerung. Ein Besuch des Wagnermuseums in der Villa Wahnfried war auch sehr
interessant.
Richard Wagner war  fast sein ganzes Leben auf der Flucht vor seinen Gläubigern und gerettet hat ihn erst Ludwig II           Bad Berneck
von Bayern. Eine Badepause im Kreuzsteinbad  war gerade das Richtige und abends ging es zurück ins Hotel und den dortigen Biergarten                                    
           
 .

                                
            Graf-Münster-Gymnasium Bayreuth                                             Neues Schloß Bayreuth

 

13. Tag: Bayreuth - Hersbruck 88 km

Um vom Tal des Roten Mains ins Pegnitztal zu kommen, verläßt man Bayreuth, fährt bis Creußen und kraxelt dann östlich der B 2 via Haidhof und Preunersfeld über den Berg, um schließlich in Pegnitz an der Pegnitzquelle herauszukommen. Man kann natürlich auch einfach die B 2 entlangfahren, aber das ist nicht so prickelnd. Pegnitz selbst ist wie die meisten fränkischen Städtchen ein hübscher Ort und war ideal für die Mittagspause. Die Pegnitz bricht dann auf Ihrem Weg nach Nürnberg zwischen Neuhaus und Hersbruck durch die fränkische Schweiz und ist für mich eine der schönsten Flußtallandschaften, die ich kenne.
In Hersbruck angekommen fand ich ein nettes Hotel und das Abendessen im Biergarten hat wieder hervorragend geschmeckt.

 


                                                                                                                                                                                                                                                    Burg Veldenstein

14. Tag: Hersbruck - Nürnberg 37 km

Die restliche Strecke bis Nürnberg am nächsten Tag war nicht mehr der Rede wert. Mein Hotel direkt hinter der Stadtmauer, Zum Schwänlein, fand ich auch schnell wieder und ich quartierte mich dort für zwei Tage ein. Nürnberg kenne ich von vielen früheren Besuchen, d.h. die sehr schöne Altstadt und die prachtvolle Burg waren bekannt.
Es stellte sich also die Frage, was tun. Ich beschloss dann, nochmals in unsere jüngere Geschichte einzusteigen, mir also quasi passend zu Weimar und Buchenwald Nürnberg als ehemalige Stadt der Reichsparteitage anzusehen. Der Komplex mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der NSDAP ist zu großen Teilen noch erhalten, wenngleich die Nürnberger dieses Thema wohl gern etwas in den Hintergrund schieben. Im wesentlichen existiert noch der Rest einer gigantischen, gepflasterten Aufmarschstraße, auf dem heute der Plärrer, das Nürnberger Volksfest stattfindet sowie die von Speer gebaute Zeppelintribüne und die unvollendete Kongresshalle, in der sich das Dokumentationszentrum zur Geschichte des Reichsparteitagsgeländes befindet. Die Ausstellung ist bewußt düster gehalten und dokumentiert die Geschichte des Drittens Reichs generell und Nürnbergs in dieser Zeit im Besonderen. Passend zum Ort ging verdunkelte sich am Nachmittag der Himmel und es ging ein schweres Gewitter los.

                             
                Nürnberg Zeppelintribüne                                                     Nürnberg Kongresshalle                                                              Nürnberg Kaiserburg



Am nächsten Morgen ging es dann zum Hauptbahnhof und zurück nach Hause und dass war meine Sommertoutour 2009.


Wer mir etwas zu dieser Seite schreiben will, kann gerne eine Email senden.

Weitere Radtourenberichte auf: Meine Radtouren
                                                               

Besucherzahl